Nicht nur die Luft, sondern auch das Wasser der Ozeane werde wärmer. «Damit verbessern sich die Bedingungen für Hurrikans», sagte Friedrich. Vermutlich würden ihre Zahl und Stärke künftig steigen. Neben einer Wassertemperatur von mindestens 27 Grad gehörten jedoch auch bestimmte Windbedingungen in Höhen von bis zu 15 Kilometern zur Voraussetzung für die Entstehung von Hurrikans. Die Luft müsse ungehindert nach oben steigen.
Bisher sei keine langjährige, stetige Zunahme von Hurrikans registriert worden, sagte Friedrich. Aber in diesem Jahr habe die Saison schon im Juni begonnen, das erste Mal seit 1995. «Alex», der am 25. Juni entstand, hatte die Stärke zwei. Im Juni 1966 hatte es zuletzt so früh einen Wirbelsturm dieser Stärke gegeben.
Die Hauptsaison für Hurrikans hat gerade erst begonnen. Bis zum November entstehen über dem Atlantik zwischen der Westküste Afrikas und der Ostküste Nordamerikas immer neue Tiefdruckgebiete, die sich zu Stürmen oder Hurrikans entwickeln können. «Sie ziehen wie an einer Perlenkette mit den Passatwinden nach Westen», sagte Friedrich. Die höchsten Wassertemperaturen gebe es erst im Herbst, denn der Ozean erwärme sich während des Sommers nur langsam.
«Earl», der am Donnerstagabend an der US-Ostküste erwartet wurde, ist der bisher stärkste Hurrikan dieser Saison. Am Donnerstag wirbelte er in seinem Zentrum mit 220 Stundenkilometern, in der Spitze seien Böen von 270 Kilometern pro Stunde gemessen worden. Nach aktuellen Prognosen wird «Earl» in einiger Entfernung an der Küste entlang nach Norden ziehen und sich bis zum Sonntag zum normalen Tief abschwächen. Hurrikan «Katrina», der vor fünf Jahren teils mit Stärke fünf New Orleans verwüstete, war dagegen frontal und mit voller Wucht auf Land getroffen.

