Es fehle der chinesischen Führung nicht am guten Willen, aber sie setze nicht genug Klimaschutz-Prioritäten und stoße zudem bei der Umsetzung von Klimazielen auch auf Widerstände im eigenen Land, meinte Li Yan. Die Regierung sei seit 2007 «auf dem richtigen Weg.» Allerdings werde bei weitem nicht genug getan.
Um die selbst gesteckten Klimaschutz- und Energiesparziele zu erreichen, setze Peking inzwischen Provinzen und Städte unter Druck. Fabriken müssten ihre Produktion zeitweise einstellen, zuweilen werde auch schon angeordnet, die Straßenbeleuchtung in manchen Orten abzuschalten, «manchmal wird in Stadtteilen zeitweise eine Stromsperre angeordnet».
Seit spätestens 2007 behandele China das Klimaproblem nicht als ein Umwelt- sondern auch als ein Entwicklungsthema, «um den angestrebten industriellen Strukturwandel... und eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben». Wichtiges Ziel sei es, von den fossilen Brennstoffen als Energieträger wegzukommen. Allerdings habe China nach wie vor «eine klare Priorität für Wirtschaftswachstum». Umweltfragen blieben zweitrangig, meinte Li Yan.
Dennoch habe Peking erkannt, dass China beim Klimaschutz eine positive Rolle auf der internationalen Bühne spielen und «der gute Junge sein kann», so die Klimaexpertin. Es gebe aber in der chinesischen Gesellschaft auch immer wieder die Befürchtung, beim Thema Klimaschutz einer «westlichen Verschwörung gegen die chinesische Entwicklung zum Opfer zu fallen».
Vor allem nach dem Klimagipfel in Kopenhagen, als China wegen seiner ablehnenden Haltung zu einem Kyoto-Nachfolgeabkommen international kritisiert wurde, hätten die Nationalisten in China Aufwind bekommen. «Wir werden kritisiert, egal was wir tun, also sollten wir einen Dreck auf die anderen geben», zitierte Li Yan eine weit verbreitete Sicht in ihrem Land.

