«Wer ist der Adam Smith der grünen Ökonomie?», fragte Lalonde mit Blick auf den als Begründer der klassischen Nationalökonomie geltenden schottischen Philosophen aus dem 18. Jahrhundert. «Die Dimension des Problems zu verstehen, ist schwierig. Und sicher, es gibt auch verschiedene kurzfristige Probleme, Aufmerksamkeit für die Wirtschaftskrise, die Wahlen, es ist mithin schwierig, ein internationales Momentum zu schaffen», beschrieb Lalonde einen Grund für den schleppenden Verlauf.
Zur Nachfolgekonferenz des so genannten Erdgipfels von 1992 werden vom 20. bis 22. Juni etwa 100 Staats- und Regierungschefs in Rio erwartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte ihre Teilnahme ab. Aus Deutschland kommen Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP). Bei dem Treffen sollen auch umfassendere Maßstäbe für Entwicklung debattiert werden. «Heute haben wir (als Maßstab) das Bruttoinlandsprodukt, das misst, wie viel die Menschen verkaufen und kaufen, aber nicht, was gut oder nicht gut ist für die Gesellschaft», gab Lalonde zu bedenken.
Zurückhaltend äußerte sich der Diplomat über die Führungsrolle des Gipfelgastgebers Brasilien. Das Außenministerium in Brasília sei eine mächtige und sehr vorsichtige Organisation. «Die brasilianischen Verhandlungsführer sind sehr gut. Aber sie sind ein wenig zu vorsichtig.» Zentrale Themen beim Rio+20-Gipfel sind unter anderem erneuerbare Energien, der Umgang mit der knapper werdenden Ressource Wasser, der Kampf gegen die Armut und ein möglicher institutioneller Ausbau des UN-Umweltprogramms.

