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Monetäre Nachhaltigkeitsbewertung: Ideenwettbewerb will herausfordern (13.02.2012)

Günther Bachmann Bild: RCE  CC BY 2.0Unternehmen, die die öko-sozialen Folgekosten ihrer Geschäftstätigkeit kennen, können diese Kosten managen und in Vorteile ummünzen. Das ist der Grundgedanke des Ideenwettbewerbs Nachhaltige Unternehmensführung: Kosten kennen – Nutzen erschließen, den der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) gemeinsam mit Puma-Vordenker Jochen Zeitz initiiert hat. Noch bis zum 15. Februar sucht der RNE neue Konzepte zur monetären Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen.

Einen ersten Vorstoß für den eigenen Geschäftsbereich hatte Puma Ende 2011 mit der Veröffentlichung einer ökologischen Gewinn- und Verlustrechnung gewagt. Wie Unternehmen durch diese Art der Kostenklarheit Vorteile gegenüber Wettbewerbern gewinnen können und welchen Beitrag der Ideenwettbewerb dazu leisten möchte, erklärt Günther Bachmann, Generalsekretär des Nachhaltigkeitsrates, im Interview.

Herr Dr. Bachmann, Sie suchen gemeinsam mit Herrn Zeitz neue Ideen für die vollständige Berücksichtigung öko-sozialer Kosten in der Unternehmenspraxis. Was wollen Sie damit erreichen?

Wir wollen den vorherrschenden Kurs der Unternehmensführung herausfordern. Wissenschaftler und Innovatoren aus führenden Unternehmen sind viel weiter als wir häufig meinen. Herr Zeitz setzt mit Puma wichtige Meilensteine. Die Puma-Bewertung der Umweltkosten ist für mich ein besonders wichtiger Vorstoß. Ich erwarte von dem Ideenwettbewerb, dass er diesen Ansatz noch bekannter macht. Dass er weitere Innovatoren ermutigt, ihre Ideen in die Waagschale zu werfen.

Was soll die Kenntnis der „wahren“ öko-sozialen Kosten der Geschäftstätigkeit bringen? Führt das tatsächlich zu einer nachhaltigeren Unternehmensführung – oder mündet dieses Wissen nur in höheren Preisen?

Die Kenntnis der Kosten muss mitnichten automatisch zur Verteuerung von Produkten führen. Eher ist das Gegenteil zu vermuten: Verringern lässt sich schließlich nur, was man kennt und beziffern kann. Unberechtigte Preistreiber gibt es vor allem dann, wenn der Markt nicht funktioniert. Bessere Informationen über Kosten und Preise fördern in der Regel den Wettbewerb und sind oft geeignet, zu fairen Produkten und fairen Preisen zu führen. Sicherstellen oder gar garantieren kann man das nicht. Aber aus vielen Fällen wissen wir, dass ökologische oder soziale Innovationen nicht allein Kostentreiber sind – wenn die Politik oder der Markt für deren schnelle Verbreitung und Anwendung sorgen.

Wollen Sie auf einen Standard zur monetären Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen hinwirken?

Vielfalt ist Stärke. Unternehmen sind vielfältig und ihre Antworten auf die Herausforderungen einer nachhaltigen Wirtschaft sind es auch. Eine Standardisierung der Nachhaltigkeitsmethoden käme daher nur bei standardisierten Unternehmen infrage. Wichtig ist mir Folgendes: Wir müssen unser Verständnis der betrieblichen und betriebswirtschaftlichen Seite der nachhaltigen Unternehmensführung verbessern, die guten Ansätze besser kommunizieren und in der Praxis verankern – viel tiefer als bisher. Wir müssen aber auch sehen, dass Unternehmensführer vielfach auf dem Standpunkt stehen, die eine oder andere Innovation nur dann einführen zu können, wenn das auch alle Konkurrenten tun. Sie bewerten den Status quo ihrer Wettbewerbsfähigkeit höher als die Chance auf einen Wettbewerbsvorteil. Diese „you first“-Haltung ist weit verbreitet. Sie ist in Teilen auch rational. Deswegen kann eine Standardisierung mit Augenmaß helfen, Unternehmen den Zugang zu neuem Denken zu verschaffen und zu vereinfachen.

Was ist Ihre Vision einer nachhaltigen Unternehmensführung? Wie soll diese in Zukunft aussehen?

Meine Vision ist, dass wir – Unternehmen, Politik, Kunden und Konsumenten – lernen, mit Zielkonflikten besser umzugehen. Dass wir die Informationen über Beiträge zur Nachhaltigkeit transparent und in der Sache nachvollziehbar gestalten. „Nachhaltigkeit“ ist kein Rezept, sondern ein Suchmodus. Sie ist nie einfach „fertig“, sondern wird immer Gegenstand von Verbesserungen, neuen Ideen und Veränderung bleiben. Das ist gut so. Meine Vision gilt also nicht für die Unternehmensführung „in der Zukunft“, sondern sie gilt heute. Und zwar für die zukunftsfähige Unternehmensführung.

Warum lohnt sich die Teilnahme am Ideenwettbewerb?

Das ist ganz einfach: Ideen werden erst spannend und honoriert, wenn sie vom Publikum aus Politik und Wirtschaft anerkannt, diskutiert, übernommen, verbessert etc. werden. Diesen Rahmen schaffen wir. Das ist zeitgemäß, denn wir haben ja 2012 das Wissenschaftsjahr zur Nachhaltigkeit. Die Frage nach dem Wissen für das „Zukunftsprojekt Erde“ wird immer wichtiger. Deshalb ist unsere Frage nach den Ideen für die nachhaltige Unternehmensführung auch ganz aktuell. Wer hier mitmacht, ist im Trend. Wer mitmacht, ist in guter Gesellschaft. Denn viele Unternehmen sind bereits aufgebrochen, ihre Produkte und ihre Wertschöpfung an den Maßstäben der Nachhaltigkeit auszurichten. Das zeigt ihre umfassende Mitwirkung an der Erarbeitung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex, das zeigt ihre zahlreiche Beteiligung am Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Es wird auch durch den Umfang von nachhaltigen Geldanlagen, durch den Bio-Boom bei den Lebensmitteln, und in dem Trend deutlich, den eigenen Lebensstil zu überprüfen und in Richtung Nachhaltigkeit zu ändern.

Weitere Informationen erhalten Sie auf nachhaltigkeitsrat.de


Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung



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